Was ist Blindenfußball?

Der Name dieses Sports "Blindenfußball" lässt den Unwissenden schnell darauf schließen, dass es sich um den gewöhnlichen Sport für Sehende handelt, der mit 11 Spielern auf einem ungefähr 100 Meter langen und 50 Metern breiten Spielfeld gespielt wird und Abseits an die Tagesordnung gehört, nur das die Spieler eben Blind sind.

Wenn man sich aber näher mit diesem Sport beschäftigt wird man sehr rasch feststellen, dass es doch viele erhebliche Unterschiede gibt, die den Sport nicht minder interessant machen.

Zum einen besteht eine Blindenfußballmannschaft aus vier Feldspielern, welche alle Vollblind sein müssen oder bei einem eventuellen Sehrest diesen durch das tragen so genannter Dunkelbrillen ausgleichen müssen. Dazu kommt ein Torwart, welcher Sehbehindert oder vollsehend ist. Dieser darf seinen Torraum von zwei Metern aber nicht verlassen und darf nur in diesem den Ball aufnehmen. Des Weiteren ist ein Blindenfußballfeld nur etwa 40 Meter lang und etwa 20 Meter breit.

Die Längsseiten werden durch Banden begrenzt, welche anders wie beim "normalen" Fußball mit ins Spiel einbezogen werden können. Gespielt wird auf zwei Handballtore und wie beim "gewöhnlichen" Fußball gibt es auch Ecken.

Der Untergrund kann aus Naturrasen bestehen, aber optimal ist Kunstrasen oder alternativ ein Gummi- oder Holzboden. Das Spielgerät ist mit Schellen versehen, damit es akustisch wahrgenommen werden kann.

Eine Weitere Besonderheit im Vergleich zum Fußball der Vollsehenden ist die verkürzte Spielzeit von zwei mal 25 Minuten.


Eine zentrale Rolle nimmt im Blindenfußball auch das spanische Wort "Voy" ein, welches so viel bedeutet wie "Ich komme". Dieses Wort muss von jedem Spieler gerufen werden, wenn er den Ballführenden Spieler attackieren will. Geschieht dieses nicht, wird einer der beiden unparteiischen auf dem Feld Foul pfeifen. Ja, sie haben richtig gelesen: Es gibt beim Blindenfußball zwei Schiedsrichter auf dem Feld, die den Unmut der Spieler, Trainer und Zuschauer über sich ergehen lassen müssen, genau wie beim "normalen" Fußball auch.

Vergehen, wie ein fehlendes "Voy" werden mit einem persönlichen Foul für den jeweiligen Akteur geahndet. Hat ein Spieler fünf persönliche Fouls in einem Spiel, so muss er das Spielfeld verlassen, darf aber anders als bei einer roten Karte ersetzt werden. Wenn es speziell persönliche Fouls gibt, dann muss es selbstverständlich auch Teamfouls geben. Diese werden immer pro Halbzeit neu gezählt. Erreicht ein Team die Teamfoulgrenze von vier, so gibt es einen Strafstoß aus acht Metern Entfernung. Dieses wiederholt sich dann bei jedem Weiteren Foul bis zum Ende einer Halbzeit in der alle Teamfouls gelöscht werden. Anders als beim "gewöhnlichen" Fußball gibt es bei einem Foul im zwei Meter Raum einen Strafstoß aus 6 Metern Entfernung und nicht wie bei einem Foul im 16-Meter-Raum Elfmeter.

Ansonsten gibt es selbstverständlich im Blindenfußball auch Freistöße so wie gelbe und rote Karten, aber was es nicht gibt ist Abseits! Der interessierte Sportfan wird gemerkt haben, dass die Regeln des Blindenfußballs mehr dem Futsal als dem weitläufig bekannten Lieblingssport der deutschen Fußball entspricht. Auch wenn beim Blindenfußball Fangesänge während des Spiels nicht möglich sind, so sind durchaus Zuschauer erwünscht, welche in den Spielpausen und nach Toren für gute Stimmung sorgen sollen. In einem sind Blindenfußball und der Fußball der Vollsehenden aber gleich: Es geht darum das Runde ins Eckige zu befördern und die Punkte mit nach Hause zu nehmen!